Stopping Places VII

Vernissage

Die Galerie hält inne und wirft mit zwölf zeitgenössischen Künstlern*innen der Minderheit aus ganz Europa einen Blick zurück auf mehr als acht Jahre bewegter Ausstellungsarbeit und etwa 100 Ausstellungen im In- und Ausland. "Stopping Place" heißt so viel wie Rastplatz oder Haltepunkt. Für uns sind diese Kunstwerke Wegmarken, an denen wir reflektierend zurück aber auch nach vorne blicken.

Nach ihren jährlichen Vorgängerausstellungen STOPPING PLACES I - VI ist auch STOPPING PLACES VII die Bilanz und Gegenwartsdiagnose der Galerie Kai Dikhas. Unserer diesjährigen Einladung sind zwölf sehr unterschiedlich arbeitende Künstler*innen gefolgt. Das Ergebnis ist ein abwechslungsreiches Kaleidoskop, sowohl hinsichtlich der unterschiedlichen, künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, wie auch des divergierenden Umgangs mit der sie oft einenden Thematik.

STOPPING PLACES VII fragt wieder nach dem Umgang mit dem in Gesamteuropa eskalierenden Antiziganismus und Rechtspopulismus: DOES HISTORY REPEAT ITSELF? Die Situation der europäischen Roma lenkt den Blick davon ab, zu sehen, dass die Roma ein transnationales Volk sind, dem es trotz heterogener Lebensweisen und der Herkunft aus unterschiedlichen indischen Völkern gelungen ist, sich in der Diaspora als Einheit zu begreifen - etwas, was in Europa erst noch gelingen soll.

In seinem unserer Ausstellung gleichnamigen Buch „Stopping Places“, das der Sohn des Künstlerpaares Le Bas, Damian James 2018 in Großbritannien mit großem Erfolg veröffentlichte (Jerwood Award, BBC Book of the Week), entwirft er ein Bild eines an Orte gebundenen Netzwerks aus Erinnerungen und Beziehungen, welches sich für die britischen Traveller in ihrer bereits sechs Jahrhunderte andauernden Besiedlung des Vereinigten Königreiches geknüpft hat. Während in der Mehrheitsgesellschaft die Mär der ungebundenen Minderheit tradiert wird, so ist das Gegenteil der Fall: Sinti und Roma sind untrennbar mit ihrer Heimat, sei es Großbritannien, Deutschland oder ein anderes Land, verbunden. Die Beziehungen lassen sich sehr konkret mit Orten verbinden. „Man kann mit dem Mainstream im Fluss treiben, während man kein Teil von ihm ist. Man kann wie ein Otter auf der Sandbank eines Flusses leben, schwimmen und jagen wenn nötig, um mit gleicher Leichtigkeit und Elan wieder aus dem Wasser herauszuklettern. Es gibt kein besseres Symbol dieser Einstellung als das Netz von Atchin Thans (Romanes für Stopping Places) welches sich über die Britischen Inseln schnürt. Sie sind der topografisch physische Beweis, dass die Roma Philosophie dort existierte, existiert und existieren wird.“ Die Galerie Kai Dikhas, der „Ort des Sehens“, was der Name der Galerie übersetzt aus dem Romanes bedeutet, ist auch zu so einem konkreten Ort geworden. Und wir sehen die ausgestellten Kunstwerke als zeitgenössische Manifestationen einer reichen Kultur, die angesichts der der Minderheit entgegen schlagenden wieder zunehmenden Diskriminierung um so mehr Beachtung und Wertschätzung verdient.

In STOPPING PLACES VII entwerfen die Künstler*innen ein sensibles und ästhetisch anspruchsvolles Bild unserer Gegenwart.

Mit Werken von

EMANUEL BARICA . MANOLO GÓMEZ . DAMIAN LE BAS . DELAINE LE BAS . VALÉRIE LERAY . NIHAD NINO PUŠIJA . MERSUD SELMAN . IMRICH TOMÁŠ . ALFRED ULLRICH . KÁLMÁN VÁRADY . GEORGE VASILESCU . DAVID WEISS

Öffnungszeiten Mittwoch bis Samstag 14-18 Uhr u.n.V.
Austellung vom 06.12.2019.-31.01.2020

Abb.: Valérie Leray, Concrete Ruins, 2019, Video Still. Copyright: Galerie Kai Dikhas & Artist.

 

Termine

Do 05.12.2019 | 19:00 Uhr
Eintritt: 
Eintritt frei