Harald Hermann. Der Drops ist gelutscht

Ausstellung
Finissage am 16.12. im Rahmen des Aufbau Haus Adventskalenders

POSITIVE INC. GALLERY & ANNA JILL LÜPERTZ GALLERY laden ein zur Vernissage der Ausstellung Der Drops ist gelutscht des Künstlers Harald Hermann 

»Katastrophen kennt allein der Mensch, sofern er sie überlebt. Die Natur kennt keine Katastrophen«, konstatiert Max Frischs Romanfigur Herr Geiser in Der Mensch erscheint im Holozän. Der Mensch definiert, was Katastrophe, ja unter Umständen Apokalypse ist – die Natur bleibt dem gegenüber indifferent. Was soll es sie auch kümmern, für sie ist kein Untergang, nur Werden, Wildheit, Wucherung.

Dem Menschen wiederum ist der Untergang, die Zerstörung, die Auflösung mit einer grellen Faszination ausstaffiert. Er sehnt sie sich herbei in Filmen, in Verschwörungstheorien, in fatalistischen Endzeitszenarien – oder aber: Er stellt sie sich selbst her. Welchen Sog, hin zur Schönheit der Zerstörung, zur schöpferischen Kraft der Zerstörung, und welchen größenwahnsinnigen Schwindel mögen die Atombombenbauer erlebt haben, als sie 1945 in der amerikanischen Wüste die erste Explosion ausgelöst haben?

Perfekte Pilze wachsen in den Himmel, gleißendes Licht geht von ihnen aus, sie türmen sich zu Bergen, zu Wolken, und sie glühen nach auf der Netzhaut.

Längst sind diese Bilder in das (pop)kulturelle Gedächtnis eingebrannt, und trotz aller humanistischer Greuel und ökologisch unwiderruflicher Konsequenzen, um die man heute umso dringlicher weiß, bleiben sie erschreckend schön. Harald Hermann bringt sie wieder zum Leuchten: Sie fluoreszieren in ihrer Mächtigkeit und Erhabenheit und hängen dem Betrachter bedrohlich nach.
Die morastigen Wälder bleiben davon unberührt. Stillschweigend prozessieren sie ihr Sumpfen, verrotten und verfaulen, verleiben sich ihre eigenen abgestorbenen Elemente wieder ein, gebären sie neu. 
Was ist der Mensch? Unter dem dystopisch anmutenden Erzählbogen der Gemälde Harald Hermanns pendelt er stetig zwischen den beiden Polen: ist Tier, ist Natur; will Kultur sein, will mächtig sein – will die Natur zähmen und sie sich Untertan machen, und vergisst dabei immer wieder aufs Neue, dass er selbst Natur ist, sich selbst nicht zähmen kann, seinem eigenen Verfall zum Opfer werden wird.
»Der Mensch bleibt ein Laie«, sagt wieder Herr Geiser. Der Drops ist gelutscht, das müsste der Mensch nur ein für alle Mal begreifen.

Sophie Bunge, Berlin 2018

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Vernissage (Stadtterrasse Aufbau Haus):
18-22 Uhr

Afterparty (Parker Bowles):
22 Uhr - open end feat. DJ Schowi

Special Thanks to:
Bombay Sapphire, Schweppes & Becks

Termine

So 25.11.2018 | 14:00 Uhr bis So 16.12.2018 | 20:00 Uhr
Eintritt: 
Eintritt frei