Kunstraum Dikhas Dur

Die Sammlung Kai Dikhas vereint Werke einer neuen europäischen Avantgarde. Es sind Werke der zeitgenössischen Kunst auf höchstem Niveau, die der Kunstbetrieb bislang vernachlässigt und die Kunstgeschichte noch nicht entdeckt hat. Die Sammlung bietet einen repräsentativen Querschnitt der Arbeiten von international arbeitenden Künstler_innen mit Sinti- und Roma-Herkunft und Hintergrund aus ganz Europa. Wobei für die Auswahl nicht die Abstammung entscheidend ist, sondern die künstlerische Qualität der Auseinandersetzung mit dem Leben und den Erfahrungen der Minderheit.

Wie keiner anderen Kunst unseres Kontinents mangelt es den Sinti und Roma noch heute an Institutionen und Orten, die ihre Werke sammeln, dokumentieren, verbreiten und zugänglich machen. Somit leistet die Sammlung Kai Dikhas Pionierarbeit. Erstmalig entsteht hier eine Kunstsammlung, die den Reichtum und die Qualität der Künstler_innen der Minderheit unter Beweis stellt. Die Eigenbilder der Sinti und Roma treten klar und facettenreich zu Tage. Langfristig soll die Sammlung Kai Dikhas Teil einer von Vertretern der Minderheit geleiteten musealen Institution werden.

Die Sammlung Kai Dikhas wird in Wechselausstellungen im Kunstraum Dikhas Dur präsentiert. Während „Kai Dikhas“, der Name der Galerie und Sammlung, den „Ort des Sehens“ in Romanes bezeichnet, beschreibt der Name des neuen Kunstraums im OG 5.1 des Aufbau Haus 84 den Ort, an dem man „weit sieht“ – einen Raum mit Weitblick. Er wird gemeinsam von RomnoKher Berlin, der Hildegard Lagrenne Stiftung, dem AspE e.V., RomAs und der Galerie Kai Dikhas genutzt. Der Kunstraum mit der Ausstellung der Sammlung dient auch als gemeinsamer Veranstaltungs-. Besprechungs- und Pausenraum, in dem debattiert, gefeiert und zuweilen sogar zusammen gekocht wird, und wird so zu einem Ort der Zusammenarbeit und der selbstbewussten Darstellung der Minderheit. Die Sammlung umfasst derzeit etwa 70 Werke in sehr unterschiedlichen Techniken, Medien und Formaten. Das Spektrum reicht von abstrakt bis figurativ, von analog bis digital, von zweidimensional bis dreidimensional, von Grafik, Malerei, Skulptur bis Video. Der Slowake Imrich Tomáš und der deutsche Sinto Alfred Ullrich sind mit ihren sensiblen abstrakten Arbeiten, Reliefen und Grafiken, die Britin Delaine Le Bas mit ihren weltweit ausgestellten Textilcollagen, Video- und Installationsarbeiten, die in den Niederlanden lebende Katalanin Lita Cabellut mit ihrer virtuosen wie expressiven figurativen Malerei vertreten. Der in Köln lebende Kálmán Várady, dessen Familie aus Ungarn stammt, konfrontiert uns mit seinen Warriors über den bürgerlichen Kunstbegriff hinausgehend mit Mythen, Naturreligionen und magischen Vorgängen. Die 2013 verstorbene Holocaust-Überlebende österreichische Lovara Romni Ceija Stojka ist mit einem repräsentativen Querschnitt ihres OEuvres vertreten. Fotografien von Nino Nihad Pušija, Jeannette Gregori und Valérie Leray setzen dem in diesem Medium zumeist verbreiteten Fremdbild der Minderheit ein vielschichtiges Selbstbild entgegen. Einige Arbeiten wie Damian Le Bas‘ Gypsyland, welches auf der Biennale Venedig 2007 ausgestellt wurde, sind bereits Ikonen dieser Avantgarde. Neben etablierten Künstlern umfasst die Sammlung auch Werke junger aufstrebender Künstler_innen, die zeigen, dass die Bewegung dieser Avantgarde auf einem stetig wachsenden Netzwerk beruht.

Schon rein formal spiegeln die Arbeiten die Heterogenität des Volkes der Sinti und Roma, die ein Abbild der europäischen Realität ist. Hier wird nicht an der Tradition festgehalten, sondern Zukunft gestaltet. Die Sammlung Kai Dikhas zeigt überdies beispielhaft, wie sich Mehrheit und Minderheit gleichberechtigt begegnen können.

Kunstraum Dikhas Dur
Besucheradresse
Prinzenstr. 84.1
10969Berlin
Haus: 
84
Geschoss: OG 5
Hauptzugang: 84.1