Kálmán Várady. Wunderkammer 1

Ausstellung

Vom spielerischen Aspekt des Sammelns und über das Aurische der Dinge.

Kálmán Váradys Kunst bildet ein eigenes Universum aus meist alten gefundenen und gesammelten Objekten, die er zu Neuem collagiert und auf diese Weise geschickt mit den Assoziationen seiner Betrachter spielt. Es entstehen Skulpturen wie die „Gypsy Warriors“, die mit ihren Zauberkräften gegen die üble Nachrede über Roma zu Felde ziehen. Mit der aktuellen Ausstellung Wunderkammer 1 geht Varady folgerichtig den nächsten Schritt:

Er schafft mit einer raumfüllenden Installation ein den Betrachter umfassendes Environment. Der Besucher findet sich in einem Raum des Staunens wieder, in dem Várady all das, was ihn seit Jahren beschäftigt, vereint. Es ist ein genauso realer wie surrealer Raum, der die ganze Welt erfasst, der Naturalia mit Artificilia verbindet und der schließlich in der Vision einer neuen Welt mündet. Die Dinge, die Várady zusammenträgt, erzählen mannigfaltige Geschichten. Sie lassen Themen anklingen wie den Voodooismus Westafrikas, den er auch mit performativen Elementen in seine Arbeit aufnimmt, Ahnenverehrung, die Verfolgung der Minderheit der Sinti und Roma, aber auch das Zeitalter der Entdeckungen und Erforschung bislang dem Westen unbekannter Weltteile und des Kolonialismus, mit dem Europa versuchte, sich die Welt zu eigen zu machen.
Vor allem aber gelingt es dem Künstler, eine existentielle Erfahrung zu vermitteln. Das Staunen gebiert Neugier, das vielen Dingen dieser Ausstellung innewohnende Memento Mori weckt Lebenshunger. In der Stadt Alexander von Humboldts, der unzählige Sammlungsobjekte von seinen Expeditionen nach Berlin brachte und so das Wissen dieser Stadtgesellschaft mehrte, vermag ein zeitgenössischer Künstler, der Idee der Sammlung neue und aktuelle Bedeutung zu geben. Kálmán Várady lässt uns an seinem nomadischen Denken teilhaben, das mit offenen Augen die Welt erwandert. Wir haben teil an seinem Finderglück, profitieren von seinem professionellen Sammeleifer. Wir finden den Künstler, aber auch uns und unser Leben, in uralten und fremd anmutenden Traditionen gespiegelt, in Interesse an und Respekt vor dem Anderen.

Termine

Sa 09.09.2017 | 14:00 Uhr bis Fr 24.11.2017 | 18:00 Uhr
Eintritt: 
Eintritt frei